Jetzt will er’s wissen

Dieser Mann ist ein Phänomen. Er wird als Tennistrainer beim TC Lilienthal sehr geschätzt, für seine Auftritte als Spieler geradezu verehrt. Vor allem nach bei den beiden jüngsten Auflagen der Volksbank Open in Lilienthal, die er in mitreißender Manier gewann. Quasi aus dem Stand heraus, nahezu ohne Training. Jetzt hat Mauro Piras daraus seine Lehren gezogen. Im Mai 2017 beginnt ein neues Zeitalter, dann tingelt er über die Plätze der Welt – als Tennis-Profi. Dann im Alter von 28 Jahren.


In sechs Monaten geht’s los: Dann startet Mauro Piras seine Laufbahn als Tennis-Profi. (Hans-Henning Hasselberg)

Schon viele hatten sich gefragt, warum verdammt noch mal dieser Mauro Piras es nicht endlich versucht, sich im großen Tennis-Zirkus zu etablieren. Piras hatte in den Punktspielen mit dem TCL in der Oberliga seine Gegner mit schöner Regelmäßigkeit demontiert. Zu druckvoll, zu präzise, zu willensstark – Piras war nahezu ausnahmslos eine viel zu hohe Hürde für seine Gegner. Dabei waren die Kontrahenten stets viel höher eingestuft in der deutschen Rangliste. Und sie waren jünger. Und sie standen voll im Saft. Ganz im Gegenteil zu Piras, der nahezu ohne eigenes Training auskommen musste. Dann folgte das letzte Turnier in Lilienthal, bei dem Piras wieder einmal eine mitreißende Show ablieferte und alle Favoriten und Gegner vom Platz fegte. Es war vermutlich der letzte Kick für Piras: „Es kamen immer wieder die Gedanken an eine Laufbahn als Tennis-Profi auf. Das Turnier hat mir noch einmal Selbstvertrauen gegeben. Jetzt mache ich es einfach. Ich will mir nicht später nicht selber vorwerfen müssen, es nicht versucht zu haben. Und mit 35 brauche ich nicht mehr anzufangen.“

Der 35. Geburtstag ist noch weit weg, vielmehr steht der 28. im November bevor. Doch auch ein Einstieg als Tennis-Profi mit 28 Jahren ist sehr ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich wie das, was er ohne Training auf dem Platz abliefert. „Ich habe mir dann irgendwann gesagt, hey, komm, versuch es einfach. Mich interessiert, was für mich drin ist, wenn ich richtig im Training bin. Und ich habe das Gefühl, dass mein Körper das aushalten wird.“

In einem halben Jahr beginnt das große Abenteuer, doch Piras hat schon jetzt die ersten Schritte eingeleitet. Unter anderem hat er seine Ernährung angepasst. „Wenn man dieses Spiel mitspielen möchte, dann geht das nicht, wenn man sich nur Cola reinzieht“, weiß er nur zu genau. Dann wird er wohl kaum noch den Alberto Tomba der Lilienthaler Tennis-Szene spielen. Die Ski-Legende aus Italien hatte am Abend vor dem Wettkampf zumeist alle Fünfe gerade gelassen und hatte sein Bett nur kurz gesehen, um dann am nächsten Tag auf den Pisten die gesamte Weltelite zu demütigen. Piras hatte in Lilienthal ähnliches geleistet: Auch er war auf den Players Nights bis zum Schluss dabei, ehe er am nächsten Morgen fit wie ein Turnschuh die Gegner auseinandernahm und die Turniersiege einstrich.

Es ist ein völlig neues Leben, in das Mauro Piras eintauchen wird. Mit Fragen über Fragen, von denen eine Großzahl noch längst nicht beantwortet ist. So zum Beispiel steht noch nicht fest, wo er seinen Wohnsitz haben wird. Oder welche Kosten im ersten Jahr auf ihn zukommen werden. Das hängt maßgeblich von den Turnieren ab, an denen er starten wird. „Wenn es für jeweils drei Wochen nach Südamerika oder Australien geht, dann wird das natürlich viel teurer. Ich warte mal ab, ich lasse das einfach auf mich zukommen."

Nur alleine mit den Preisgeldern wird es schwer, die erste Profisaison zu finanzieren. Piras wird in der ITF Future Tour starten, die hinter der ATP World Tour und der Chellenger Tour als die Einstiegsklasse in das Profi-Tennis gilt. An Turnier-Preisgeldern werden zumeist 10?000 bis 25?000 Dollar ausgeschüttet, für den Turniersieger zwischen 1500 und 3000 Dollar. Da braucht es schon einen Mäzen, um unter anderem die immensen Reise- und Unterkunftskosten aufzubringen. Und den Mäzen hat Piras bereits. Den Namen des Gönners wollte er hingegen nicht preisgeben.

Jetzt gilt es für Piras, möglichst bald die ersten Weltranglistenpunkte einzusammeln, um sich bei den Turnieren nicht immer durch die kräftezährenden Qualifikationsrunden quälen zu müssen. Die erste Möglichkeit dazu hat der Lilienthaler übrigens schon in der nächsten Woche. Die außergewöhnlichen Leistungen des Mauro Piras waren auch über die Landkreisgrenzen hinaus aufgefallen. Piras hatte für das ITF-Future-Turnier in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim überraschend eine Wildcard bekommen. Sollte er dann in Bad Salzdetfurht die erste Runde überstehen, wäre der allererste Weltranglistenpunkt eingefahren. Und das wiederum wäre wichtig, um für die nächsten Turniere sofort für das Hauptfeld gesetzt werden zu können. Ein Punkt als Eintrittskarte in den Tennis-Zirkus der Profis.

Des einen Freud, des anderen Leid Natürlich sind sie alle stolz beim TC Lilienthal auf ihren allseits beliebten Trainer. Mauro Piras wird Tennis-Profi. Der Ehrenvorsitzende des Vereins, Wolfgang Wenzel, findet in einem Infoschreiben an die Vereinsmitglieder sehr warme Worte: „Er hat unzählige Tennisgruppen mit Charme, Humor und spielerischem Können an den Tennissport herangeführt und weiterentwickelt. Als Spieler hat er uns begeistert, mitjubeln und mitleiden lassen, je nach Spielverlauf. Zweimal hat er unser Ranglistenturnier gewonnen und uns dadurch unvergessliche Momente beschert.“ Ganz Tennis-Lilienthal wird Mauro Piras kräftig die Daumen drücken, wenn er im Mai 2017 seine Tour starten wird.  Doch wie geht es weiter beim TCL? Ohne Mauro Piras? Wolfgang Wenzel räumt ein, dass der Spieler und Tennistrainer des Vereins eine sehr große Lücke hinterlassen wird. Dennoch macht sich Wenzel keinerlei Sorgen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Zum einen wegen des Zeitfaktors, erst in sechs Monaten ist Piras weg, so sieht sich Wenzel nicht unter Druck. Und zum anderen betont Wenzel, dass der TCL ein sehr gut aufgestellter Verein sei: „Wir sind ein Verein, der seinen Mitgliedern sehr gute Bedingungen bietet.“ Und Wenzel stellte klar, dass es die Tennis-Schule weiterhin geben werde. Wie gewohnt mit zwei Tennis-Lehrern. Mit Tim Richter. Und mit Mister X.

© Wümme ZEitung vom 20.10.2016 / Werner Maass 


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