Djokovic einst einen Satz abgenommen

Herr Oetken, als Sie mit 14 Jahren ihren ersten großen Titel bei der Jugend-DM in Essen holten, hatte ein Idol wie Boris Becker gerade seine Profi-Karriere beendet. Wie sehr haben die damaligen Tennis-Cracks Ihre Vorstellung von Tennis geprägt?

Malte Oetken: Natürlich war Boris Becker ein Vorbild. Aber mein Favorit war eigentlich der Russe Marat Safin. Wegen seiner Spielart, und er war ein kleiner Hitzkopf. So wie ich auch.

Welche Träume hatten Sie damals?

Mein Traum war tatsächlich, Profi zu werden. Mit 14 war die Chance auch noch da. In der Zeit hat mich mein Trainer Frank Bolfraß auch sehr unterstützt.

Wie sehr hat Tennis da Ihren Alltag bestimmt?

Ich hatte vier- bis fünfmal die Woche Training und war jedes zweite Wochenende auf einem Turnier. Und das war ja noch zu Schulzeiten. Ich war zwar immer entschuldigt, habe aber natürlich oft gefehlt. Mit 16 habe ich die Realschule beendet. Da stand ich vor der Frage, Profi zu werden, was viel Geld kostet, oder eine ganz normale Ausbildung zu machen. Aber meine finanziellen Möglichkeiten waren eingeschränkt. Da war klar, dass ich eine Ausbildung mache. Dadurch fehlte dann auch die Zeit für Tennis. In dem Alter war es auch manchmal schwierig, wenn die Freunde feierten und ich auf dem Platz stand.

Gab es denn mal Begegnungen mit Tennis-Promis?

Ich habe mal gegen Novak Djokovic gespielt. Ich glaube, da war ich 13 Jahre alt. Ich habe einen Satz gewonnen, was ja nicht jeder von sich behaupten kann. Auch gegen einen Holländer, der später in der Top 20 der Welt stand, habe ich gespielt, und gegen andere.

Haben Sie denn irgendwelche Allüren der Tennis-Cracks übernommen?

Nee, sowas ist mir nicht passiert. Ich musste mich auch nicht selbst anfeuern und brauchte keine ‚Becker-Faust‘.

Und keinen Schläger nach einer Niederlage auf dem Boden zerdeppert?

Ja, mein Frust ging oft in den Schläger über. Ich hatte da einen Head-Vertrag, und die Leute haben sich natürlich bedankt, wenn ich wieder mal einen Schläger zerhackt habe. Die Dinger waren dann richtig kaputt. Ganz oder gar nicht eben. Im Nachhinein habe ich das natürlich bereut. Frust und Emotionen kenne ich immer noch, aber nicht mehr so intensiv wie früher.

Wie ging es dann mit Ihrer Karriere weiter?

Mit 14 bin ich nach Nordhorn gewechselt in die 2. Liga und Regionalliga, mit 16 ging‘s zurück nach Lilienthal. Ich habe wirklich viel lernen dürfen damals, war ja auch viel im Ausland bei Turnieren. Das hat auch meine Selbstständigkeit geprägt. Ich bin alleine mit dem Zug nach Österreich, Holland oder in die Schweiz gefahren. Das war cool und hat viel Spaß gemacht. Ich habe auch viele nette Leute kennengelernt, woraus sich sogar Freundschaften entwickelten. Zu einigen habe ich sogar noch Kontakt. Einmal im Jahr treffe ich mich zum Beispiel mit einem aus der Schweiz. Ansonsten läuft das über Facebook.

Wie haben Sie dann den Aufschwung mit dem TC Lilienthal erlebt. Es kamen dann ja auch Externe dazu.

Das habe ich nicht alles miterlebt, weil ich mit 18 oder 19 Jahren beim TC Lilienthal aufgehört habe. Danach habe ich ja wieder beim TC Falkenberg gespielt. Die Idee beim TCL fand ich aber nicht schlecht. Es ist für einen Ort wie Lilienthal von großer Bedeutung, wenn dort eine Mannschaft höherklassig spielt. Die Zuschauerresonanz war ja auch da.

Und dann taucht noch Fußball beim SV Lilienthal/Falkenberg und TSV St. Jürgen in Ihrer sportlichen Vita auf.

Fußball hatte ich ja schon früher viel gespielt. Und ich war auch ganz gut, auch wenn das heute keiner glauben kann. Ich habe mich dann aber für Tennis entschieden. Aber Fußball mit meinen Freunden hat einfach Spaß gemacht und es war ein schöner Ausgleich. Und Kreisliga mit Lilienthal war ganz okay für mich. Ganz zu Anfang war ich Stürmer und bin dann mit den Jahren immer weiter nach hinten gewandert. Weil dann einige Freunde nach St. Jürgen gingen, habe ich da auch noch einige Jahre unter Marco Miesner gespielt. Den Kontakt zu denen gibt es immer noch.

Und mit Tennis ist jetzt definitiv Schluss?

Ja, das Alter habe ich jetzt mit 30 erreicht nach 25 Jahren Tennis. Die Lust zum Leistungstennis fehlt auch. Dann macht das Hobby keinen Spaß mehr. Für mich war und ist wichtig, dass die Lilienthaler Mannschaft nicht auseinanderfällt und dass sie für den Winter gut aufgestellt ist. Und das ist sie auch. Man soll ja aufhören, wenn‘s am schönsten ist. Auch wenn das jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschieht. Ich bleibe dem Verein aber auf jeden Fall erhalten.

Herren 30 sind auch kein Thema für Sie?

Nein, erst mal spiele ich gar nicht mehr. Ich höre komplett auf. In ein paar Monaten kann das aber schon anders aussehen, auch wenn ich es mir momentan nicht vorstellen kann. Aber Punktspiele im Winter und dann im Sommer sind nicht angedacht.

Was wäre denn Ihre Alternativ-Sportart im Alter von 30 plus?

Ich bin noch auf der Suche. Ich hätte mal Lust aufs Handball spielen. Habe ich in meinem Leben noch nie gemacht. Ich möchte es auch gerne lernen. Die Statur dazu habe ich wohl. Vielleicht aber auch Volleyball in einer Hobbytruppe. Einfach um etwas Abwechselung zu bekommen. Golf habe ich auch schon mal gespielt, vielleicht sollte ich das intensiver machen. Bewegung muss auf jeden Fall sein. Nur die festen Zeiten mit zweimal Training die Woche plus Punktspiel – nein, das wird nicht mehr passieren. Und das Berufliche geht sowieso vor.

Das Gespräch führte Thomas Müller.
Malte Oetken (30) hat mit dem letzten Oberliga-Punktspiel des TC Lilienthal in Hildesheim seine Tennis-Laufbahn nach 25 Jahren beendet. Der ledige Großhandelskaufmann begann beim TC Falkenberg mit dem Tennis, wechselte zum TC Lilienthal und dann zu Sparta Nordhorn in die 2. Bundesliga und 2014 wieder zurück zum TCL. Mit 14 Jahren, als er auch Deutscher Meister im Doppel wurde sowie Dritter im Einzel, stand er in der DTB-Rangliste auf Platz 300. Er spielte mehrere ITF-Turniere. Daneben waren der SV Lilienthal/Falkenberg und der TSV St. Jürgen Stationen als Fußballer.

© Wümme Zeitung vom 17.08.2016 / Thomas Müller


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